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Es war einmal

Mit den Geschichten vom Räuber Hotzenplotz, dem kleinen Gespenst und der kleinen Hexe bin ich groß geworden. Hautnah habe ich ihre Abenteuer miterlebt, immer wieder und wieder – was habe ich diese Kinderbücher geliebt, selbst viele Zeichnungen meiner Helden angefertigt. Leider sind diese kleinen Kunstwerke irgendwie alle verloren gegangen. Mir liegt keines mehr vor.

Unter dem Titel „Ottfried Preußler – Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler“ sind gerade alle meine Kindheitshelden wieder zu sehen. Die zahlreichen Illustratoren, die den Figuren Preußlers Leben einhauchten, werden von der Ludwiggalerie in Oberhausen in den Mittelpunkt gerückt. Mir war gar nicht bewusst, dass so viele verschiedene Illustratoren mit Preußler zusammen gearbeitet haben. Klar, F.J. Tripp kennt man, er hat dem Räuber Hotzenplotz sein markantes Äußeres gegeben. Auch Winnie Gebhardt, die die kleine Hexe und den kleinen Wassermann gezeichnet hat, ist geläufig. Daniel Napp ist mir namentlich (nicht persönlich) noch bekannt, weil er ebenfalls in Münster lebt und hier sein Atelier unterhält. Er hat dem kleinen Wassermann, der kleinen Hexe und auch dem Gespenst ein modernes Gesicht gegeben – zu sehen in den neuen, jüngeren Abenteuern und in Neuveröffentlichungen der alten Klassiker.

Neben den frühen Zeichnungen der 50er Jahre, werden also auch aktuelle Neuillustrationen gezeigt. Über 300 originale Zeichnungen, Exponate und Fotografien sind im Schloss Oberhausen zu sehen. Apropos Fotografien: Überraschend in dieser Schau sind die Fotografien von Julian Sonntag. Er versucht, die dörflichen Inhalte aus Preußlers Geschichten mit den industriellen und brachialen Strukturen des Ruhrgebiets in Verbindung zu bringen. Auf heruntergekommenen Arealen und an zerfallenen Gebäudeteilen sprüht er einfache Linien und Kurven zu lebendigen Figuren – den Rest macht der Untergrund und die Umgebung. Vor dem Hintergrund meiner eigenen, künstlerischen Tätigkeit, kommt mir das natürlich sehr nah.

Winnie Gebhardts Hexenwerke haben ebenfalls nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Es ist schon sehr interessant, was man mit einer variantenreichen Strichführung erreichen kann. Zarte, glatte Konturlinien im Gegensatz zu groben, gekritzelten Umrissen, freie Flächen im Kontrast zu schraffierten Hintergründen. Viele kleine Details und Nebensächlichkeiten, gekoppelt mit einer einfachen Symbolsprache lassen diese kleinen Zeichnungen absolout großartig, ausgiebig und vielschichtig aufleuchten, obwohl sie nur mit schwarzer Tusche gezeichnet wurden. Mal sehen, ob ich etwas aus dieser facettenreichen Linienführung in meine Malereien übertragen kann…

Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. Januar 2023 – Sehr sehenswert!

16.11.2022

 

Es war einmal

Es war einmal

Es war einmal

Es war einmal