Für Hilde
sollen rote Rosen regnen.
Heute, am 28. Dezember 2025, wäre Hildegard Knef 100 Jahre alt geworden. Ein Anlass, der nicht nur zur Erinnerung einlädt, sondern auch zur Auseinandersetzung mit einer sehr außergewöhnlichen Künstlerin. Das Wolfgang Borchert Theater in Münster hat diesen Geburtstag zum Anlass genommen, die Inszenierung „Der Teufel und die Diva“ noch einmal in den Spielplan aufzunehmen. Ich habe mir die Vorstellung gestern angeschaut – und war tief beeindruckt.
Das Stück nähert sich Hildegard Knef nicht biografisch-nacherzählend, sondern existenziell. Die Diva erfährt aus dem Radio von ihrem eigenen Tod und findet sich in einer düsteren Zwischenwelt wieder. Dort wird sie vom „Geist, der stets verneint“ mit unbequemen Fragen konfrontiert. Was bleibt vom Mythos? Was bleibt nach dem Tod? Vielleicht eine Zigarette. Vielleicht ein Lied. Vielleicht ein letzter Tanz mit dem Teufel.
Im Spannungsfeld zwischen Bewunderung und Ablehnung entsteht ein vielschichtiges Bild einer Künstlerin, die nie gefällig sein wollte – und genau darin ihre Größe hatte. Freiheit, Widerspruch, Durchhaltevermögen, Verletzlichkeit: All das wird in der Inszenierung sehr überzeugend sichtbar. Hildegard Knef erscheint nicht als Denkmal, sondern als Mensch. Als widersprüchliche, facettenreiche Persönlichkeit, die sich ihren eigenen Weg immer wieder neu erkämpfen musste.
Ihre Filmkarriere in den 50er- und frühen 60er-Jahren habe ich selbst nicht erlebt. Auch ihre große Zeit als Chanson-Sängerin Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre ist an mir – Jahrgang 1967 – zunächst vorbeigegangen. Auf Hildegard Knef bin ich erst 1992 wirklich aufmerksam geworden, als sie gemeinsam mit der Rockband Extrabreit ihren Song „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ neu interpretiert hat. Das fand ich großartig. Diese Mischung aus Reife, Haltung und Ironie hat mich sehr angesprochen.
Von da an habe ich mich intensiver mit ihrem Leben, ihrer Biografie und vor allem mit ihrer Musik beschäftigt. Bis heute höre ich ihre Lieder oft beim Malen. Sie begleiten mich im Atelier, geben Ideen, Rhythmus und manchmal auch Widerstand. Künstlerinnen wie Hildegard Knef inspirieren und beeinflussen mich. Ich schätze – wie sie – den Applaus. Natürlich freue ich mich über Lob und positive Rückmeldungen zu meiner Malerei. Gleichzeitig ist mir eines sehr wichtig: meinen eigenen Weg zu gehen. Ich würde keine erfolgreiche Serie „weitermalen“, wenn ich innerlich längst woanders bin. Dann brauche ich den Tapetenwechsel – ganz im Sinne von Hildes Lied „Ich brauch’ Tapetenwechsel“.
Was mich an ihr besonders fasziniert, ist ihre Vielseitigkeit. Schauspielerin, Sängerin, später Malerin, erfolgreiche Buchautorin – sie hat sich nie auf eine Rolle festlegen lassen. Auch das verbindet mich mit ihr. Zwar bin ich den meisten vor allem als Maler bekannt, mit dem Schwerpunkt auf abstrakter Malerei. Doch daneben beschäftige ich mich mit Lyrik, habe Gedichte verfasst und trete bei Ausstellungen und Kunst-Events gern als Kunstvermittler auf. Diese Offenheit, dieses Changieren zwischen Ausdrucksformen, empfinde ich nicht als Zerstreuung, sondern als Reichtum.
Der Theaterabend im Wolfgang Borchert Theater war für mich deshalb mehr als ein kulturelles Ereignis. Er war eine Erinnerung daran, wie kraftvoll es sein kann, nicht gefallen zu wollen – und gerade dadurch wirksam zu sein.
Zu Hildes 100. Geburtstag sollen rote Rosen regnen!
Und vielleicht auch ein bisschen Mut für all jene, die ihren eigenen Weg gehen wollen.
28.12.2025
Ivana Langmajer als Hildegard Knef in „Der Teufel und die Diva“