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Udoversum

Irgendwie gehört Udo Lindenberg zu meinem Leben. Nicht, weil ich der allergrößte Udo-Fan wäre. Aber seine Musik begleitet mich tatsächlich schon seit meiner Jugend. Und vielleicht ist es genau diese lange Vertrautheit, die den Besuch der großen Ausstellung UDOVERSUM in Hamburg für mich zu einem besonderen Erlebnis gemacht hat.

Noch bis zum 4. Oktober 2026 ist im Stilwerk an der Großen Elbstraße das Leben und Werk des Ausnahmekünstlers zu sehen. Die Ausstellung zum 80. Geburtstag von Udo Lindenberg versammelt Bühnenoutfits, Instrumente, handgeschriebene Songtexte, persönliche Notizen, Fotografien, Videosequenzen und zahlreiche Erinnerungsstücke. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf seiner bildenden Kunst: auf den bekannten Likörellen, aber auch auf großformatige Gemälde, Skizzenbüchern und bislang ungesehenen Arbeiten aus seinem Atelier.
Und genau das hat mich besonders interessiert.

Ein Münsterländer, der sein Ding macht

Vielleicht liegt eine erste Verbindung schon in der Herkunft: Udo Lindenberg wurde 1946 in Gronau geboren – also im Münsterland. Ich selbst bin ebenfalls Münsterländer. Eine Kleinigkeit vielleicht, aber solche Gemeinsamkeiten schaffen manchmal eine eigenartige Nähe. Eine weitere Verbindung ist die Malerei.

Natürlich sind Udos Likörelle etwas völlig anderes als meine abstrakte Malerei. Seine Bildsprache, seine Figuren, seine Farben und natürlich das ungewöhnliche Medium haben ihren ganz eigenen Charakter. Trotzdem finde ich es spannend zu sehen, wie sich ein Künstler immer weiterentwickelt und ein ursprünglich vielleicht eher „zweites“ künstlerisches Standbein zunehmend Raum bekommt. Udo malt längst nicht nur nebenbei. Die Malerei ist ein wesentlicher Teil seines künstlerischen Ausdrucks geworden. Und in den großformatigen Arbeiten, den Skizzenbüchern und den Einblicken in sein Atelier wird deutlich, wie selbstverständlich Musik und bildende Kunst bei ihm miteinander verbunden sind.

Auch musikalisch gibt es eine kleine Parallele: In meiner Jugend habe ich selbst verschiedene Instrumente gespielt, unter anderem Gitarre. Udo Lindenberg begann einst als Schlagzeuger – und hat diesen Weg später ganz anders weitergeführt. Heute steht bei mir die Malerei im Mittelpunkt. Bei Udo gehören Musik und Malerei längst untrennbar zu seiner ganz eigenen Welt.

Was mich an Udo Lindenberg wirklich fasziniert

Es ist aber noch etwas anderes, das mich an Udo Lindenberg fasziniert.
Er macht sein Ding.
Und zwar konsequent. Egal, was gerade angesagt ist. Egal, was andere vielleicht erwarten. Egal, ob etwas dem Mainstream entspricht oder nicht. Udo Lindenberg hat über Jahrzehnte seine eigene Sprache, seine eigene Bildwelt, seine eigene Musik und seine eigene Haltung entwickelt. Das spürt man. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum er mich all die Jahre begleitet hat.

Als Künstler kennt man dieses Bedürfnis, seinen eigenen Weg zu gehen. Dinge auszuprobieren, die vielleicht nicht jedem gefallen. Eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Sich nicht ständig danach zu richten, was gerade „hip“ ist oder was vermeintlich funktionieren müsste. Natürlich sind die Dimensionen bei Udo Lindenberg andere. Aber der Gedanke dahinter ist derselbe: Mach das, was dich antreibt. Bleib neugierig. Und vor allem: Bleib dir selbst treu.

Eine große Show – und trotzdem sehr persönlich

Das UDOVERSUM ist dabei weit mehr als eine klassische Ausstellung. Es ist eine große, durchaus spektakuläre Inszenierung eines außergewöhnlichen Lebens. Musik, Malerei, Bühnenwelt und persönliche Erinnerungen greifen ineinander. Man begegnet dem Musiker, dem Maler, dem Zeichner, dem Texter, dem Performer – und immer wieder auch dem Menschen hinter der Kunst. Bühnenkostüme erzählen von Auftritten. Instrumente erinnern an die musikalischen Anfänge. Handschriftliche Texte und persönliche Notizen lassen erahnen, wie Ideen entstehen. Fotografien und Videosequenzen holen vergangene Momente zurück.

Und dazwischen immer wieder: Kunst. Gerade die großformatigen Malereien fand ich beeindruckend. Nicht unbedingt, weil ich sie mit meiner eigenen Arbeit vergleichen würde – das wäre gar nicht sinnvoll. Sondern weil sie zeigen, wie sehr Udo Lindenberg die Malerei als eigenständige Ausdrucksform angenommen und weiterentwickelt hat.

Ein außergewöhnliches Leben. Ein außergewöhnlicher Künstler.

Was bleibt nach dem Besuch? Bei mir vor allem Respekt und Wertschätzung. Nicht nur für die Ausstellung, sondern für die Konsequenz, mit der Udo Lindenberg seinen ganz eigenen Weg gegangen ist. Musik und Malerei, Bühne und Atelier, Ernsthaftigkeit und Humor – alles gehört bei ihm zusammen. UDOVERSUM zeigt deshalb nicht einfach nur das Werk von Udo Lindenberg. Es zeigt eine Haltung.

Die Haltung, Dinge auszuprobieren. Sich nicht zu sehr darum zu kümmern, was andere davon halten. Immer wieder etwas Neues zu wagen. Und seinen eigenen Weg zu gehen. Das finde ich großartig!

Und vielleicht ist das auch die schönste Gemeinsamkeit zwischen einem Musiker und Zeichner aus Gronau und einem abstrakten Maler aus Münster: Am Ende geht es darum, sein eigenes Ding zu machen.

09.09.2026

Udoversum

Udoversum

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